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Ich tippe nicht mehr. Ich rede.

· 6 Minuten Lesezeit · Adam Nümm

Vor mir liegt kein Editor voller geschweifter Klammern. Vor mir liegt ein Mikrofon. Ich beschreibe, was ich will — in ganzen Sätzen, so wie ich es einem Kollegen erklären würde — und am anderen Ende entsteht Software. Keine Spielerei: Produkte, die online sind, die Menschen benutzen und für die sie bezahlen.

Ich habe kein Informatikstudium. Im vergangenen Jahr sind sieben Sachen live gegangen.

Was dabei herausgekommen ist

Takewrite ist ein Werkzeug für Synchronbücher. Wer so etwas schreibt, tippt Timecodes von Hand ab, hunderte pro Buch, und schaut dabei zwischen Film und Textdatei hin und her. Takewrite legt beides in ein Fenster und schreibt am laufenden Bild mit. Ergebnis: ungefähr die halbe Zeit pro Buch.

Drohnenschein ist die erste App für den EU-Führerschein A1/A3 — Prüfungsvorbereitung fürs Handy. SlateCalc macht aus Filmbudgets, Erlösverteilung und Investorenrendite einen Pitch, der Geld bewegt, komplett im Browser. TT-Turniersuche holt achtzehn Landesverbände aus click-TT in einen einzigen filterbaren Kalender — gebaut für einen Tischtennisvater, der keine Lust mehr hatte, achtzehn Websites abzuklappern. Dazu Gegenüber, ein stiller Raum für zwei Menschen, die einander gerade schlecht zuhören können. Eine Tierarztpraxis in Mexiko-Stadt. Ein Sprecher-Portfolio.

Keins davon hätte ich vor drei Jahren gebaut. Nicht weil mir die Ideen gefehlt hätten — die hatte ich. Sondern weil zwischen Idee und Produkt eine Wand aus Syntax stand, und ich diese Wand nicht überwinden wollte, sondern schlicht nicht konnte.

Der Engpass ist umgezogen

Softwareentwicklung hat lange den schnellsten Tipper belohnt. Wer die Sprache flüssig beherrschte, war im Vorteil, ähnlich wie früher jemand, der Kurzschrift konnte. Das ist vorbei.

Die Frage ist heute nicht mehr, ob du sauberen Code schreibst. Die Frage ist, ob du eine Beschreibung schreiben kannst, die sauber genug ist, dass eine Maschine sie nicht missverstehen kann.

Und da wird es interessant: Das ist eine Fähigkeit, die eine Menge Leute längst haben, die sich nie für technisch gehalten haben. Wer ein Team briefen kann. Wer ein Konzept schreibt. Wer einem Handwerker erklären kann, wie das Bad am Ende aussehen soll, und dabei merkt, an welcher Stelle die eigene Vorstellung noch unscharf ist. Genau diese Unschärfe aufzuspüren, bevor jemand anfängt zu bauen — das ist der Beruf. Er hieß nur nie so.

Warum ich rede statt tippe

Sprechen ist schneller als Tippen, aber das ist nicht der Grund. Der Grund ist, dass ich beim Sprechen in Absichten denke statt in Anweisungen.

„Der Nutzer soll nie zweimal dasselbe eingeben müssen" ist ein Satz, den ich in zwei Sekunden sage. Getippt wäre daraus eine Stunde Kleinarbeit geworden, und irgendwo auf halbem Weg hätte ich vergessen, warum ich das eigentlich wollte. Diktieren hält mich auf der Höhe des Problems statt in seinen Einzelteilen. Ich merke nicht, wie ich etwas löse. Ich merke, wenn es sich falsch anfühlt.

Und jetzt der unbequeme Teil

Es ist keine Magie, und wer es als Magie verkauft, verkauft dir etwas.

Die KI macht Fehler. Sie erfindet gelegentlich Dinge, sie baut etwas Plausibles, das schlicht nicht stimmt, und sie tut das mit vollkommener Selbstsicherheit. Du brauchst Urteilsvermögen. Du musst erkennen, wenn etwas falsch aussieht, auch ohne jede Zeile zu verstehen. Und die Verantwortung für das, was live geht, trägt immer noch ein Mensch — dass Daten sicher sind, dass die Seite rechtlich sauber ist, dass niemand zu Schaden kommt.

Wer glaubt, er könne einfach fragen und bekommt ein Produkt, wird enttäuscht. Was du bekommst, ist ein extrem schneller, extrem fleißiger Mitarbeiter, der alles wörtlich nimmt und nie nachfragt, ob du es wirklich so gemeint hast. Der Rest ist deine Arbeit.

Warum jetzt und nicht in zwei Jahren

Nicht, weil es ein Hype ist. Sondern weil zwei Dinge gleichzeitig wahr sind.

Erstens ist der Abstand gerade groß. Die Werkzeuge sind gut genug für echte Produkte, aber die meisten Menschen haben es noch nicht ausprobiert. Wer jetzt anfängt, hat ein Jahr Vorsprung an Erfahrung — und Erfahrung ist genau das, was sich nicht nachkaufen lässt, wenn alle anderen aufgeholt haben.

Zweitens, und das ist mir wichtiger: Es geht nicht darum, Entwicklerinnen und Entwickler zu ersetzen. Es geht darum, dass Menschen mit echtem Fachwissen endlich selbst bauen können. Die Synchronregisseurin, die seit zwanzig Jahren weiß, wo das Verfahren hakt. Der Tierarzt, der genau sagen kann, warum die Terminvergabe nervt. Der Tischtennisvater mit den achtzehn Websites. Diese Menschen wussten immer, was fehlt. Ihnen fehlte nur der Weg vom Wissen zum Ding.

Dieser Weg ist jetzt offen. Und er beginnt nicht damit, dass du programmieren lernst. Er beginnt damit, dass du aufschreibst — oder aussprichst — was genau du willst, so klar, dass es kein Missverständnis mehr gibt.

Das kannst du üben. Das kann ich dir zeigen.

Willst du das lernen?

Ich gebe Kurse im Vibe Coding — einzeln oder mit deinem Team, online oder vor Ort, auf Deutsch, Englisch, Spanisch oder Indonesisch. Erzähl mir, was du bauen willst.

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